Mut

2019 ist ein Jahr der Jubiläums- und Gedenktage

  • 100 Jahre Frauenwahlrecht,
  • 100 Jahre Weimarer Republik,
  • 100 Jahre Bauhaus Weimar,
  • 70 Jahre Grundgesetz.

In dieser Ausgabe stehen im Fokus zwei Ereignisse die für die deutsche Geschichte einen tiefen Einschnitt darstellen.

Vor 80 Jahren begann am 1. September der 2. Weltkrieg. An dessen Ende stand die Zerstörung von Städten und Dörfern, Verlust von Familienangehörigen. Es war das Ergebnis politischer Agitation und Hetze durch die Nationalsozialisten und ihrer Mitläufer gegen andere Menschen wie Juden oder Slawen kurz „Feinden des arischen Volkes“. Sehr viele folgten unkritisch dem Führer – nur wenige hatten den Mut Widerstand zu leisten. Die wurden dann unverzüglich umgebracht und ihre Tat war „dem Volk“ kein Ansporn sich dem Regime zu widersetzen. Nach 1945 wollten dann alle gute Demokraten geworden sein.

Vor 30 Jahren eine friedliche Revolution. Markant der Fall der Mauer 1989.

Mauerabschnitt Glienicke/Berlin-Frohnau
Foto: Wilfried Milow

Es waren nur wenige in der DDR, denen es nicht um die Bekämpfung eines Feindbildes ging, sondern die ausschließlich von der Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie begeistert waren. Zurecht riefen sie:“Wir sind das Volk!“ Der Mauerfall ist für die meisten von uns Steinenbronner noch in sehr guter Erinnerung. Aber auch die Ereignisse in Prag als die Sachsen, Thüringer, Sachsen-Anhaltiner, Mecklenburg-Vorpommerer (ist das der Plural?), Brandenburger und Ost-Berliner in die Botschaft geflohen waren. Welche Ängste hatten sie, als sie die Fahrt in die Freiheit über DDR-Bahngleise führte inklusive Begegnung mit der Stasi. Jetzt können alle in alle Welt reisen – von Asien über Amerika  und Australien bis nach Afrika und können sagen was sie meinen – da ist kein IM oder Stasi-Mensch mehr.

Die Eingliederung in die Bundesrepublik war für viele, vielleicht gerade die Stillen, die nicht den Mut hatten zu flüchten, nicht wie erträumt.
In Erinnerung sind die versprochenen blühenden Landschaften.
Aber auch die Treuhandanstalt, die die so „sicheren Arbeitsplätze“ zerstörten.

Wachturm bei Hohenneuendorf
Foto: Wilfried Milow

Schuld waren angeblich dabei die vom Westen eingesetzten Manager. Sorry, der Staat DDR war pleite – er hat seinen Bürgern nur etwas vorgegaukelt, die meisten, aber nicht alle, Produkte waren nicht konkurrenzfähig. Verständnislos stellen wir fest, dass nun Politiker aus dem Westen, die aber rein gar nichts mit „Eurer Revolution“ zu tun haben, Ängste schüren, ein Feindbild aufbauen und das unter dem Deckmantel, demokratisch zu sein. Bitte nicht jedem Gaukler hinterher rennen! Ihr seid doch selber groß genug um Euch zu artikulieren – verstecken ist nicht.

Für uns Südies – oder sind wir auch Wessis? – ist es daher bei allem Verständnis, schwer bis nicht nachvollziehbar, dass „die da drüben“ sich vernachlässigt und vom Westen vergessen fühlen. Eure Straßen sind besser, die Städte toll renoviert (z.B. Erfurt, Dresden, Schwerin). Bei uns im Süden gibt es nur wenige „paradiesische“ Zustände – wir haben schlechte Straßen, täglich Stau, unbefriedigenden öffentlichen Personennahverkehr, weiterführende Schulen sind nicht am Ort, Läden schließen, Firmen können pleite gehen, und wir müssen uns selbst bemühen einen Arbeitsplatz zu finden. Es liegt uns Südies fern anderen Ratschläge zu erteilen.

Nur soviel: seid stolz auf die, die sich 1989 für die Freiheit – für alle – eingesetzt haben. Sie verdienen unseren großen Respekt. Es war eine Sternstunde der Menschheit, dieses einzigartige Ereignis einer friedlichen Revolution in Deutschland.

Seien wir alle mutig.

Rüdiger Krauß

– Schriftführer –

Gerne nehmen wir Ihre Augenzeugenberichte, wie Sie den Fall der Mauer erlebten entgegen und würden sie auf unserer Homepage veröffentlichen. Das gilt auch für Nicht-Steinenbronner!


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