RK.: Herzlichen Glückwunsch Gitta zum Bundesverdienstkreuz. Diese Auszeichnung wird sicher einen Ehrenplatz bei Dir bekommen. Wie war Deine Reaktion, als Du darüber informiert wurdest?

G.O: Ich habe per Brief von unserem Ministerpräsidenten davon erfahren, dass ich für diese Auszeichnung vorgesehen wurde. Da gingen die Emotionen bei mir natürlich hoch, ich konnte dieses Glück nicht fassen und habe meinem Mann immer wieder gefragt: „Stimmt das wirklich?“

RK.: Dein Vater, Paul Schwarz, hat Dir sicher sein Gen, was das Engagement in Politik und Soziales betriff, vererbt. Skizziere doch bitte, wie Dich Dein Vater bzw. Dein Elternhaus geprägt hat.

G.O.: Ich bin in starkem Maß durch mein Elternhaus geprägt! Das kommunalpolitische Engagement haben sowohl mein Vater Paul Schwarz als auch mein Großvater Ludwig Schwarz vorgelebt. Beide waren mit Begeisterung Gemeinderäte – Kommunalpolitik war bei uns zu Hause immer ein Thema. Mein Vater hat mich auch an die Steinenbronner Geschichte, die er akribisch genau erforschte, herangeführt und mein Interesse daran geweckt. Für das soziale Engagement war meine Mutter prägend für mich. Als Flüchtling war sie 1945 durch ihre Heirat mit meinem Vater hierher gekommen und fand, als ehemalige Krankenschwester, gleich ein Betätigungsfeld in der Flüchtlingshilfe in Steinenbronn. Sie kümmerte sich stets um Menschen, denen es nicht gut ging. Meine Eltern haben nie gepredigt: „Tue Gutes!“, sie haben es einfach gemacht und Vieles vorgelebt.

RK.: Bitte beschreibe Dich und Deine Arbeit/Familie für die neu Zugezogenen. Es gibt sicher noch Steinenbronner, wenn auch wohl nur wenige, die Dich noch nicht kennen.

 G.O.: Zum einen stehe ich als Gemeinderätin seit 30 Jahren in der Öffentlichkeit und bin in regem Kontakt mit meinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, was mir sehr wichtig ist. Die Presse berichtet über die politischen Standpunkte und Meinungen, die ich vertrete. Ansonsten bin ich präsent im Ort: bei Festen, bei Veranstaltungen, beim Einkaufen und werde auch immer wieder angesprochen. Meine Aufgabe als Beauftragte für die Heimatgeschichte ist mir ein weiteres Anliegen: gemeinsam mit dem Heimatverein, dessen Vorsitzende ich bin, möchte ich Interesse an der Geschichte unseres Ortes und an unserem Brauchtum wecken und durch verschiedene Aktionen erfahrbar machen. Kinder liegen mir am Herzen: privat (3 Kinder, 8 Enkel), beruflich ( 20 Jahre lang Sonderschullehrerin) und ehrenamtlich (seit fast 40 Jahren Leitung und Organisation der Hausaufgabenhilfe für ausländische Kinder an der Steinenbronner KLINGENBACHSCHULE) und überhaupt – wo immer es im Rahmen der Gemeinderatstätigkeit um Kinder geht, setze ich mich ein.

 Ich kenne viele ausländische Familien gerade auch wegen deren Kinder und die italienischen Mitbürger durch das Thema Circolo. Ansonsten findet sich immer wieder etwas auf der Homepage der Freien Wähler über mich.

RK.: Ich meine, das auch für Steinenbronn die Verleihung an Dich sicher genauso ähnlich als Auszeichnung zu betrachten ist. Du bist die erste weibliche Trägerin dieser Auszeichnung – gab es schon mal ein Bundesverdienstkreuz für Steinenbronner Bürger in unserer Gemeinde? Schwingt da sicher Stolz mit, dass Du so ausgezeichnet worden bist?

G.O.: Das Bundesverdienstkreuz ist ein selten vergebener Orden. Man wird dafür vorgeschlagen (man weiß selber nicht, von wem), dieser Vorschlag wird von verschiedenen Seiten geprüft, u. a. der Gemeinde und dem Landratsamt, und begründet, (man weiß nicht, was drin steht) und dann kommt diese hohe Auszeichnung beim Auszuzeichnenden wieder an. Ich weiß, dass mein Vater für seine Keltenforschung, für seine Mitarbeit in der deutschen UNO-Gesellschaft und seine Gemeinderatstätigkeit diesen Orden erhielt. Außerdem kenne ich einen ehemaligen Steinenbronner Gemeinderat, der ausgezeichnet wurde. Ich weiß aber nicht, ob er genannt sein will, und deswegen verzichte ich aus Gründen des Datenschutzes darauf, ihn zu nennen.

Eine Frau, die den Orden hier erhalten hat, kenne ich nicht.

Ich habe in meiner Dankesrede am 22.01.2020 gesagt, dass ich mir der großen Ehre, die mir zuteil wurde sehr bewusst bin und sie als Geschenk betrachte. Ganz wichtig ist mir, dass ich diese Auszeichnung nicht ausschließlich auf meine Person bezogen ansehe, sondern dass ich sie mit allen Menschen, die mir in der Ausübung meiner Ehrenämter zur Seite standen, teilen möchte. Mit in diese Ehrung einbeziehen möchte ich die ehrenamtlich Tätigen in unseren Rettungsdiensten, den Kirchen und den Vereinen.

RK: Die meisten Steinenbronner kennen Dich als besonders stark engagiert in der kommunalen Politik, in der Pflege des Brauchtums und der Förderung von Kinder- und Jugendarbeit, aber auch der internationalen Beziehungen. Kann man dann sagen, dass es Dich für andere Funktionen z.B. im Musikverein, Liederkranz, Sportverein u.a. nicht so gedrängt hat?

G.O.: Die Pflege der internationalen Beziehungen – unsere Partnerschaften, waren in der Tat sehr zeitaufwendig, wenn auch nicht ständig im Licht der Öffentlichkeit stehend. Sie liegen mir am Herzen, weil ich der Ansicht bin, dass Europa von der Basis aus unterstützt und gelebt werden muss.

 Manche Tätigkeiten habe ich eher im Verborgenen ausgeübt wie z. B. meine Tätigkeit als Ersthelfer Ausbilderin beim DRK. Das habe ich 15 Jahre lang sehr aktiv und mit viel Unterstützung des DRK Ortsvereins an der Schule, an der ich tätig war, im Schulsanitätsdiest eingesetzt. Ebenso war ich 10 Jahre lang als Jugendschöffin tätig. Und so habe ich es genossen, als einfaches Mitglied  in den 3 genannten Vereinen Veranstaltungen wahrnehmen zu dürfen.

RK.: Welche Wünsche hast Du für die Zukunft für Deine Familie und Steinenbronn?

G.O.: Für Steinenbronn wünsche ich mir eine moderate, organische Entwicklung sodass unsere Infrastruktur mit dem Wachstum mithalten kann (Kinder- und Jugendeinrichtungen, Schule, Freizeit- und Sportangebote, Verkehr und Nahverkehr). Wir müssen immer wieder überprüfen, wie es mit Angeboten für alte Menschen bei uns aussieht, auch hier dürfen wir nichts versäumen (Pflegeplätze, barrierefreie Arztpraxis, barrierefreie Gehwege, Senioren-Begegnungszentrum in der Dorfmitte)

 Ich wünsche mir, dass wir durch unsere Kirchen und Vereine das gute Miteinander in Steinenbronn erhalten können, dass wir unsere Landschaft als Erholungsraum weitgehend schützen, kurz, dass Steinenbronn die „liebenswerte“ Gemeinde bleibt. Für das Ortszentrum wünsche ich mir, durch Geschäfte und Plätzchen, durch die Nutzung der wenigen alten Häuser , ein Bürgerzentrum mit Charme.

 Für meine Familie wünsche ich mir Gesundheit, genauso wie für mich.

 RK: Vielen herzlichen Dank für das Interview.

Rüdiger Krauß

– Schriftführer –


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